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Quartalsbericht Q2/2026
Rückblick
Auch das zweite Quartal war stark beeinflusst durch geopolitische Spannungen, vor allem durch die Situation rund um die Strasse von Hormus. Ein Hin und Her an der Nachrichtenfront, von Waffenstillstand über Friedensverhandlungen, einer vollständigen, bedingungslosen Öffnung der Meerenge und dann doch wieder die Rolle rückwärts. Begleitet von Beschuldigungen der USA gegenüber dem Iran und umgekehrt. Flankiert durch permanente Militäraktionen Israels im Gaza-Streifen sowie im Libanon, was der Iran seinerseits wiederum als inakzeptable Aggression einstufte.
Wir alle wissen aus den zahlreichen Beispielen in der Vergangenheit: Politische Börsen haben kurze Beine und so machten sich viele Indizes allen Unkenrufen zum Trotz auf den Weg nach oben. Der DAX testete allerdings zunächst zweimal (erfolgreich) seine Unterstützungszone zwischen 23.600 und 23.800 Punkten, wohingegen sich der S&P500 nach dem Öffnen eines Aufwärts-Gaps Anfang April scheinbar ungebremst zu neuen Rekordlevels aufschwang. Getrieben wurden die US-Märkte hierbei erneut von der KI-Welle, die trotz immer höheren Geldbedarfs immer neue Fabelkurse auf die Kurszettel der Börsenmakler zauberte.
Als weitere Triebfeder für die US-Märkte zeichnete der Börsengang von SpaceX verantwortlich, der mit einem Gegenwert von um die 2 Billionen für das grösste IPO in der Börsengeschichte steht. Wie in den Hoch-Zeiten des Neuen Marktes waren die Anleger beseelt von einer Erfolgsstory, völlig losgelöst von rationalen Bewertungsgrundsätzen, einzig und allein getrieben von der Erwartung schneller Gewinne aufgrund des zugrundeliegenden Geschäftsmodells der Firma. Dass es sich bei SpaceX um ein zum Zeitpunkt des Börsenstarts unprofitables Unternehmen handelt, wurde generös ausgeblendet, ist es doch eine Wette auf die Zukunft. Wir halten es gerne mit den Worten Niccolo Machiavellis: „Es ist ein verbreiteter menschlicher Fehler, bei schönem Wetter nicht mit Stürmen zu rechnen“.
Das Bild der Wirtschaft in Deutschland kann mit der euphorischen Grundhaltung in den USA nicht Schritt halten. Die Schliessung der Strasse von Hormus drückte den Geschäftsklimaindex zunächst stark nach unten, bevor sich im Mai eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau einstellte. Die Daten aus dem Juni belegen die Hoffnung, dass mit einer vollständigen Öffnung der Strasse von Hormus eine Normalisierung eintreten könnte.
Quelle: ifo Geschäftsklimaindex gestiegen (Juni 2026) | ifo Geschäftsklima Deutschland | ifo Institut
Bekanntermassen aber macht eine Schwalbe noch keinen Sommer und somit ist es für eine Entwarnung in der Breite schlichtweg zu früh. Fehlende Aufträge, eine schwierige Lage im Tourismussektor, eine darbende Automobilbranche und Lieferkettenprobleme belasten noch immer das Sentiment. So beklagen 16% der deutschen Unternehmen Probleme mit der Beschaffung von Vorprodukten, vor dem Iran-Krieg waren es deren gerade 5%. Die Mehrzahl der Unternehmen ist noch skeptisch und das Gesamtbild unter dem Strich damit fragil. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, beschreibt die Lage mit den Worten „es ist noch ein langer Weg bis zu einer richtigen Erholung“.
Performance
Aktienfonds
Unser Aktienfonds konnte seit Jahresbeginn einen Wertzuwachs von +4,12% in Schweizer Franken und in +5,05% in Euro einfahren. Im Vergleich dazu die grossen Indizes: DAX +4,18%, der STOXX600 (Europa) +10,86%, der S&P500 (USA) +12,60% und der MSCI World (weltweit) +12,55% (alle Werte in EUR).
Bondfonds
Unser Anleihefonds erzielte bis Mitte des Jahres +0,93% in der Schweizer-Franken-Tranche und +0,95% in der Euro-Tranche.
Die Ausschüttungen des Fonds fanden im April statt, mit einer Ausschüttungsrendite von 3,98% in der Schweizer-Franken- und 3,57% in der Euro-Tranche.
Unser Lead-Fondsmanager Nick Jost wurde für seine Arbeit erstmals von Citywire mit einem AAA-Rating belohnt. Damit wurde die deutliche Outperformance des Fonds gegenüber dem Sektordurchschnitt honoriert, sowohl was die Entwicklung im Laufe des Jahres 2026 wie auch der letzten drei Jahre betrifft. Diese Auszeichnung ist ein Ergebnis der konsequenten und kontinuierlichen Arbeit, die wir in unsere Fonds investieren. Und trotzdem geben wir uns nie mit einem einmal erzielten sehr guten Ergebnis zufrieden, wohl wissend, dass die Meriten von heute schon morgen wieder der Vergangenheit angehören.
Aktuelle Positionierung
Aktienfonds
Im abgelaufenen Quartal haben wir unser Exposure im Technologiesektor klar reduziert (ASML, ASM International, Nokia) oder sogar komplett abgebaut (Jenoptik). Da der Goldpreis weiterhin rückläufig war, entschieden wir uns zu Gewinnmitnahmen und einer geringeren Gewichtung bei Goldminenaktien. An unseren Investments im Energiesektor halten wir hingegen trotz des tieferen Ölpreises fest. Der weltweite Energiebedarf bleibt hoch und dürfte durch den Boom der Künstlichen Intelligenz weiteren Auftrieb erfahren. Für den Bau und den Betrieb zusätzlicher Rechenzentren wird in den kommenden Jahren zudem viel Energie benötigt werden.
Im Zuge des Booms rund um die Künstliche Intelligenz sind etliche Software-Unternehmen (unserer Sicht zu Unrecht) stark unter Druck gekommen. Das Argument, KI ersetze Software, können wir nur sehr eingeschränkt nachvollziehen, gerade was die Implementierung tiefgreifender und unternehmensspezifischer Anwendungen betrifft. Demzufolge begannen wir, in diesem Bereich – durchaus mit einem mittelfristigen View – Positionen aufzubauen und haben u.a. auch SAP wieder in das Portfolio mit aufgenommen. Zudem erhöhten wir unser Engagement in den Sektoren Finanzen und Gesundheit durch ausgewählte Versicherungs-, Bank- und Biotech-Titel.
In den vergangenen Wochen haben wir zahlreiche Gespräche mit Unternehmen quer durch ganz Europa geführt, um aus erster Hand belastbare Informationen über den Geschäftsverlauf und die Aussichten zu erhalten. Zusätzlich war unser Portfoliomanagement über fast zwei Wochen in Japan und Südkorea unterwegs, um sich dort mit Entscheidungsträgern der wichtigsten Firmen persönlich austauschen zu können. Dabei zeigte sich, dass die meisten Firmen zwar mit einer länger anhaltenden Inflation, gleichzeitig aber nicht mit einem deutlichen Konjunktureinbruch rechnen. Diese Einschätzung erscheint uns eher optimistisch. Wir hoffen, dass sich diese Erwartungen erfüllen und dass es somit zu keinen unliebsamen Überraschungen kommt. Dennoch haben wir, auch aufgrund der weiter unsicheren geopolitischen Lage, unsere im Juni ausgelaufenen Absicherungsstrategien bis in den Dezember hinein verlängert, um das Portfolio auch für den Fall einer wirtschaftlichen Abschwächung zu schützen.
Bondfonds
Wir haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass Qualität einen absoluten Eckpfeiler einer jeden vernünftigen Kapitalanlage darstellt. Je höher die Qualität, umso resistenter präsentiert sich eine Anlage auch gegen externe Schocks. Unser Bondfonds ist aktuell mehrheitlich mit Anleihen der Kategorie „investment grade“ bestückt, also mit einem Rating von BBB oder besser. Diese Qualität äusserte sich dahingehend, dass unser Fonds nach dem Ausbruch des Iran-Krieges nur marginal nachgab und sich in einem gerade bei steigenden Renditen sehr herausfordernden Umfeld enorm stabil präsentierte. Eine Stabilität, die wir unbedingt erhalten wollen.
Ein weiterer Eckpfeiler ist eine breite Diversifikation. Wir halten im Moment 72 verschiedene Unternehmensanleihen im Portfolio. Auch weiterhin sind wir ausschliesslich in Unternehmensanleihen investiert, um die Drucksituationen, die es dieses Jahr schon wiederholt bei Staatsanleihen gab, konsequent zu vermeiden. Darüber hinaus bleiben wir auch bei der Restlaufzeit der einzelnen Anleihen bei nur etwas mehr als 2 ½ Jahren. Diese Duration bietet aus unserer Sicht eine ideale Mischung aus Rendite, Flexibilität, Handelbarkeit und Risikosteuerung. Somit fühlen wir uns auch für zweite Halbjahr gut aufgestellt.
Ausblick
Geopolitik
Für die USA musste die militärische Auseinandersetzung mit dem Iran einem Déjà-vu mit dem Vietnamkrieg gleichkommen. Damals sah sich die Militärgrossmacht in einem asymmetrischen Konflikt gefangen, in dem der Vietcong und die nordvietnamesische Armee im unwegsamen Tropendschungel über ausgeklügelte und verschachtelte Tunnelsysteme permanente Guerilla-Attacken ausführten. Auch der Iran erwies sich als Experte in asymmetrischer Kriegsführung und bekämpfte die US-Truppen mit allen Mitteln. Mehr als verständlich, dass US-Präsident Trump am Ende des Tages geradezu frohlockte, als er ein Abkommen mit dem Iran unterzeichnete, welches u.a. eine Waffenruhe für 60 Tage an allen Fronten beinhaltet. Was dieses Rahmenabkommen wert ist und wie lange es den Frieden in der Region sichert, wird die Zukunft weisen, sind doch viele Punkte im Rahmenabkommen ungeklärt.
Fakt ist, dass die fragile Gesamtgemengelage unverändert bestehen bleibt und jederzeit eine neue Eskalation möglich ist.
Zinsen
Als Anfang des Jahres das Umfeld noch Luft für Zinssenkungen ermöglichte, wich diese Fantasie mit Kriegsausbruch schnell einem komplett konträren Bild. Massiv ansteigende Energiepreise setzten den rückläufigen Inflationsraten ein jähes Ende und führten die Preisentwicklungen zurück auf den Wachstumspfad. Die Inflation in den USA ist auf 4,2% gestiegen und auch in Europa haben die Verbraucherpreise einmal mehr deutlich angezogen. Daten des Statistischen Bundesamtes in Deutschland zeigen eindrucksvoll den Verlauf der Teuerungsraten auf. Seit 2020 sind allein die Energiepreise um mehr als 50% gestiegen, eine enorme Belastung für jeden einzelnen Haushalt.
Die Notenbanken sahen sich durch die Inflationszahlen des Monats Mai alarmiert und in Europa sah sich die EZB am 11. Juni genötigt, mit einer ersten, vorsichtigen Zinserhöhung von 0,25%-Punkten der Entwicklung entgegenzuwirken. In den USA entschloss sich der neue US-Notenbank-Präsident Kevin Warsh hingegen dafür, die Leitzinsen zunächst unangetastet zu lassen. Die Spanne bleibt somit bei 3,5-3,75%. Die weitere Entwicklung der Leitzinsen wird sich stark an der Inflation orientieren (müssen). Im Gegensatz zu den USA, wo aber noch ein nennenswertes Wirtschaftswachstum vorhanden ist, wandert die EZB auf einem ganz schmalen Grat. Denn weitere Zinsschritte nach oben könnten der Wirtschaft einen Bärendienst erweisen. Ähnlich wie bei der Geopolitik haben wir also auch hier eine fragile Gesamtgemengelage zu diagnostizieren.
Entwicklung des EZB Leitzins von 2008-2026
Aktien
Die bisweilen erratischen Schwankungen an den Märkten führten bei vielen Anlegern zu mehr oder weniger grosser Verunsicherung. Für den weiteren Verlauf des Jahres sehen wir den Aktienmarkt stark beeinflusst von der Entwicklung an den Zinsfront. Ein stark anziehendes Zinsniveau ist häufig ein show stopper für die Aktienmärkte, denn letztlich wollen Investoren in Aktien ihr Risiko auch adäquat bezahlt wissen. Sind auf der Rentenseite aber attraktive, „risikolose“ Renditen zu erzielen, wird auf der Aktienseite häufig Geld vom Tisch genommen, welches dann in Anleihen fliesst.
Solche Shifts in Richtung „safe haven“ können zu durchaus auch ruppigen Kurskorrekturen führen, die dann genauer unter die Lupe zu nehmen sind. Sind die Umschichtungen nur taktischer Natur, kann die alten Börsenregel „buy in dips“, also Zukäufe bei Rücksetzern tätigen, funktionieren. Komplett anders ist die Lage zu beurteilen, wenn es sich auf Seiten von grossen, institutionellen Investoren um strategische Re-Allokationen handeln, denn diese führen regelmässig auch zu einem länger andauernden Baisse-Umfeld.
Unbedingt im Auge zu behalten ist auch die Volatilität, die sich zum Ende des Quartals hin in Richtung unteres Ende entwickelt hat:
Niveaus von unter 17 sind als beobachtungswürdig, unter 15 als brandgefährlich zu werten. Denn mit einem starken Anstieg der Schwankungsbreite geht meist ein Abriss an den Märkten einher, so geschehen im Februar 2022 (Beginn Ukraine-Krieg) und April 2025 (weltweite Zollkrise). Auf den aktuellen Levels halten wir dementsprechend ein enges Monitoring hinsichtlich eventueller Impulse mit Impact auf die weitere Entwicklung zwingend und dringend angeraten.
Die generelle Erwartungshaltung ist ein weiteres Thema, welches uns mit Sorgfalt und Vorsicht agieren lässt.
Da ist zum einen die Künstliche Intelligenz, die natürlich in vielen Bereichen ihre Berechtigung hat und uns über die nächsten Jahrzehnte unser Leben auch erleichtern wird. Die enormen Summen an Investitionen, die aktuell in diesem Segment getätigt werden, müssen sich aber irgendwann rentieren. Und – am Ende des Tages noch viel entscheidender – es braucht die Nachfrage nach einzelnen Anwendungen sowie den Willen und die finanziellen Möglichkeiten, sich diese auch leisten zu können. Im Moment wird alles in Verbindung mit KI ausschliesslich positiv beleuchtet. Wir hingegen sind davon überzeugt, dass nur ein Bruchteil aller Unternehmen in diesem Spielfeld auf Dauer existieren wird. Alle anderen (und damit auch die Investitionen in diese) werden früher oder später schlichtweg verschwunden sein.
Zum anderen sind die Gewinnerwartungen, gerade die USA betreffend, auf Grössenordnungen angestiegen, die, rein rational betrachtet, dann doch das eine oder andere Fragezeichen aufwerfen. Für die Unternehmen im breiten amerikanischen S&P500 Index wird für dieses Jahr ein Gewinnwachstum von mehr als 20% im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Man muss kein Raketenforscher sein, um diese Zahlen für die klare Mehrheit der Unternehmen als zumindest ambitioniert zu bewerten. Die Vorstellung, welche Richtung die Märkte bei einer Enttäuschung dieser Erwartungen einschlagen werden, überlassen wir jedem selbst.
Zusammenfassung
Unser Auftrag bleibt unverändert: Die Vermögenswerte unserer Kunden bestmöglich gegen Verwerfungen zu schützen. Es ist nicht unser Job zu spekulieren, sondern zu investieren. Somit ist klar definiert, dass wir uns nur in Unternehmen mit einer soliden Bilanzstruktur, einem nachweislichen erfolgreichen Management und einer daraus resultierenden entsprechend hohen Krisenresistenz engagieren. Wir bleiben unseren Anlagegrundsätzen sowohl auf der Aktien- wie auch der Anleihenseite unverändert treu. Denn erstens fahren wir damit seit Jahren auch in schwierigen Märkten sehr gut. Zweitens wissen unsere Kunden genau, wie wir arbeiten und eine verlässliche Konstante ist gerade in unsicheren Zeiten viel wert. Wir stehen getreu unserem Firmencredo „Klartext ist unser Kapital“ immer zu unseren Aussagen, setzen diese in der Praxis entsprechend um und lassen uns daran auch messen.
Im aktuellen Umfeld sind wir für alle Eventualitäten gerüstet und haben uns entsprechend positioniert. Funktionierendes Risikomanagement, jahrzehntelange Erfahrungswerte und ein kühler Kopf sind entscheidende Faktoren, wenn die Märkte Achterbahn fahren. Denn dann ergeben sich Chancen, die wir im Interesse unserer Kunden mit maximalem Einsatz und viel Herzblut konsequent zu nutzen bereit sind.
Beste Grüsse
Ihr
Thomas Fischer
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